der Deutsche zahlt

Eine veritable Hölle

Deutschland zahlt im Gegensatz vieler anderer Staaten noch heute für seine Kriegsverbrechen. Hier nicht nur an Juden und Zwangsarbeiter aus der NS Zeit.
Auch wenn unter dem NS-Regime geschehene Verbrechen, gleich welcher Art, mit nichts zu entschuldigen sind, ist es nicht einzusehen, das meine Generation und vermutlich auch die nachfolgenden noch immer Zahlungen für Verbrechen leisten, auf die sie keinerlei Einfluß hatten.
Noch weniger ist einzusehen, daß deutsche für Kriegsverbrechen verurteilt werden und andere nicht. Hier z.B. die Amerikaner, Russen und Italiener.
Vor dem Gesetz ist jeder gleich, nur manche sind gleicher.

Ich möchte hier aus einem Artikel der Zeit vom 13. Dezember zitieren, der von einem Professor für neue Geschichte an der Universität Luzern verfaßt wurde.
Aufgrund der Länge des Artikels werde ich mich jedoch auf einige wesentliche Passagen beschränken.

Giftgas und Prognome:
Vor 60Jahren endete die beispiellose Terrorherrschaft Italiens über Äthiopien

Es war der Feldzug des faschistischen Italiens gegen Äthiopien. Begonnen hatte der Leidensweg des Landes mit dem Überfall italienischer Truppen am 3. Oktober 1935.
Der Duce wollte als Reichsgründer in die Geschichte eingehen. Er träumte davon, das Imperium Romanum in moderner Gestalt wiederaufleben zu lassen.
Die endgültige Entscheidung für den Angriff fällt der Diktator erst im Dezember 1934.
Von höchster Stelle erhielten Marschall Bardoglio und General Graziani freie Hand zum systematischen Einsatz von Giftgas. Es sollte kein Pardon mehr geben und auch keine Rücksicht mehr auf internationale Konventionen genommen werden.
Allein an der Nordfront warf die italienische Luftwaffe von Weihnachten 1935 bis zum März 1936 mindestens 972 schwere Yperit-Bomben ab, die Tausende von Menschen einen qualvollen Tod brachten. Dazu feuerte die Artillerie mit Senfgasgranaten. Nach der Entscheidungsschlacht von Mai CEU ließen Mussolinis Bomberpiloten am Ashangi-See große Mengen von Yperit über den geschlagenen Resten der Garde nieder regnen – und machten die Überlebenden mit Maschinengewehrfeuer nieder.
Doch den Bombardements mit dem tödlich wirkenden Hautgift waren nicht bloß äthiopische Soldaten ausgesetzt, die in der Mehrzahl barfuß kämpften. Um Angst und Schrecken zu verbreiten, ließen die italienischen Generäle auch Flüsse, Seen, Wasserstellen, Pässe und Triften, Äcker und Felder und selbst Viehherden besprühen. Wanderhirten und Bauern gingen qualvoll zugrunde, als sie mit ein paar Tropfen in Berührung kamen oder kontaminiertes Wasser tranken. Viele von ihnen erstickten. Das Yperit verursachte Blasen und Geschwüre am ganzen Körper und ließ die Opfer erblinden. Selbst Menschen, die nur leichte Vergiftungen erlitten hatten, starben oft, weil es in den abgelegen Gebieten des Hochlandes keine medizinische Hilfe gab. In einem Bericht an die Genfer Zentrale beschrieb der Rotkreuzdelegierte Marcel Junod, der am 18. März Augenzeuge einer Giftgasattacke wurde, deren Auswirkungen als „veritable Hölle“.

Italien erwarb sich den zweifelhaften Ruf, erstmals einen Giftgaskrieg aus der Luft geführt zu haben.
Schon nach damaliger Norm stellte dies eine schwere Völkerrechtsverletzung dar:
Das von Italien mitunterzeichnete Genfer Protokoll vom 17. Juni 1925 untersagte jede Anwendung von Giftgas. Doch die kümmerte Mussolini und seine Generäle ebenso wenig wie die Tatsache, daß ihr Angriffskrieg in schwerster Weise gegen die Akte des Völkerbundes und den Briand-Kellogg-Pakt verstieß. In der neu eröffneten Ära des internationalen Faustrechts war auch der zwischen Äthiopien und Italien geschlossene Freundschaftsvertrag vom 2. August 1928 das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben Stand.
Italiens entfesselte Kriegsmaschine schreckte vor nichts zurück. So brannte eine von Achille Starace, dem Generalsekretär des Partitio Nazionale Fascista befehligte Einheit ganze Dörfer nieder und erschoß Tausende Menschen. Über die absolute Lufthoheit verfügend, äscherten Kampfbomber wehrlose Dörfer, aber auch Städte wie Gondar, Harar und Dessie ein. Das gleiche Schicksal erlitt am 30. Dezember 1935 ein von schwedischen Helfern betriebenes Rotkreuzcamp in Malka-Dida. Am frühen morgen verstreuten italienische Maschinen Flugblätter über dem Lager, auf denen zu lesen stand, daß die Äthiopier einen Piloten geköpft hätten und nun Repressalien ergriffen würden. Kurz darauf prasselten Brandbomben herab; 28 Patienten und Rotkreuzhelfer kamen in den Flammen um, zwei Ambulanzen, alle Zelte und chirurgischen Instrumente, das gesamte Sanitätsmaterial und Nahrungsvorräte wurden vernichtet. Bereits am 6. Dezember hatten italienische Bomber das Adventisten-Hospital von Dessie dem Boden gleich gemacht und bei ihrem Angriff rund 50 Menschen getötet.

Auch die Geistlichkeit war gern dabei und segnete Soldaten und Waffen. Kardinal Ildefonso Schuster, der Erzbischof von Mailand, pries den Krieg, der dem katholischen Glauben und der römischen Zivilisation für einen blutigen Preis die Tore Abessiniens öffne.

Anerkennung zollte Winston Churchill: Der Italiener habe einen Wagemut gezeigt, der in der Geschichte der Menschen ohne Gleichen sei.

Benito Mussolini erteilte am 5. Juni 1936 den Befehl, alle in Gefangenschaft geratenen “Rebellen” umgehend erschießen zu lassen.
Tausende wurden ins Todeslager Danane verschleppt – oder gleich erschossen.
Nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf Graziani am 19. Februar 1937 ordnete Guido Cortese, der Chef der Faschisten von Addis Abeba, eine Vergeltungsaktion an. Drei Tage lang zogen Banden von Milizionären sengend und mordend durch die Straßen der Hauptstadt. Es war eine Ausgangssperre verhängt, so erhielten die Todesschwadronen leichtes Spiel. Unter dem Vorwand Waffen sicherzustellen, gingen die Schwarzhemden auf Menschenjagd, zündeten zahlreiche tukulus an, in denen die Bewohner verbrannten, und schlugen wahllos Einheimische mit Knüppeln und Eisenstangen zu Tode. Außerhalb der Stadt erschossen reguläre Einheiten der Armee die fliehenden Menschen.
Auf dem schwarzen Kontinent hatte das faschistische Italien sein wahres Gesicht gezeigt; hier führte es totale Kriege und ging in seinem rassistischen Wahn auch zum Völkermord über.
Keinem Italiener wurde deswegen je der Prozeß gemacht. Obwohl die äthiopische Regierung nach 1945 große diplomatische Anstrengungen unternahm, die Täter vor ein Kriegsverbrechertribunal zu bringen, waren die USA und Großbritannien an einem afrikanischen Nürnberg nicht interessiert. Und während man heute in Deutschland die Verbrechen der Wehrmacht öffentlich debattiert, während in Frankreich und Belgien die eigene blutige Kolonialgeschichte weiter aufgearbeitet wird, ist die Schreckens-herrschaft Roms in Äthiopien für die Italiener nie ein Thema gewesen. Vor wenigen Wochen erst hat es die Regierung Berlusconi erneut abgelehnt, den 1937 geraubten antiken Obelisken von Aksum seinen rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben. So steht er noch immer auf der Piazza di Porta Capena in Rom – und kaum ein Passant weiß, welchen Untaten das Monument diesen Standort verdankt.

Mein Schlußkommentar:
An wen zahlen die Italiener für ihre Kriegsverbrechen?
Sie reden nicht einmal darüber!
Ich als „Eurobüttel“ zahle noch heute für die Kriegsverbrechen meiner Vorfahren und finanziere gleichzeitig ein wirtschaftlich desolates Italien mit.