Fachinformatiker

Ausbildung zum Fachinformatiker

Ich habe zwar den Status Fachinformatiker – Systemintegration erreicht und bin heute Netzwerkadministrator eines Industrieunternehmens, aber ich muß mich noch immer anstrengen dieser Position gerecht zu werden.
Welcher Administrator behauptet dies von sich?
Ein Administrator, der ebenso hastig und unqualifiziert zum Fachinformatiker gemacht wurde, wie viele andere. Mein Wissens- und Erfahrungsdefizit aus der Ausbildung zum Fachinformatiker kompensiere ich mit den zahlreichen „Basteljahren“ vor der Umschulung.

Zwei Jahre vor Umschulungsbeginn fragte ich als Arbeitsuchender bei dem zuständigen Arbeitsamt an, ob für mich die Möglichkeit einer Umschulung zum Netzwerktechniker bestünde. Ich bekam zur Antwort, daß dieser Berufszweig keine Zukunft biete und das Arbeitsamt daher keine Umschulungen in dieser Richtung unterstütze und anbiete.
Zu diesem Zeitpunkt hat Deutschland und die entsprechenden Institutionen offensichtlich noch geschlafen. Zumindest IT-technisch.

Informationsgespräch
Zwei Jahre später wurde ich von dem zuständigen Arbeitsamt zu einem Informations-Gespräch in einem bfz (Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft) eingeladen.
Die Behörde war erwacht!
In diesem Informationsgespräch wurde mir die Umschulungsmaßnahme zum Fachinformatiker – Systemintegration vorgestellt. Man teilte uns unter anderem mit, daß hierfür keinerlei Vorkenntnisse und auch kein eigener PC notwendig sei. Weiter gaukelte man uns vor, daß wir nach bestandenem Abschluß dieser Ausbildung wir genau die Arbeitskräfte seien, die die Wirtschaft händeringend sucht. Nachdem ich mich nach der Informationsveranstaltung in eine Interessentenliste eingetragen hatte folgte der übliche Papierkram mit der obligatorischen Amtsrennerei.

Feststellungsmaßnahme
Am 06.08.1999 begann das bfz-Drama mit der sogenannten Feststellungsmaßnahme. In dieser sollte geprüft werden, ob wir uns für die Ausbildung zum Fachinformatiker – Systemintegration eignen.
Nachdem man uns bis zum 28.06.1999 neben PC-Grundlagen mit Prozentrechnen und der Rechtschreibreform, die zu diesem Zeitpunkt in Bayern nicht einmal Rechtskraft erlangt hatte, gepeinigt hatte, erfolgte ein Abschlußtest und die Auswahl, wer an der Umschulung teilnehmen darf und wer nicht. Dies wurde nach erreichter Punktzahl entschieden. Das bfz konnte seinerzeit nur 24 Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen.
Ob das Arbeitsamt nicht ausreichend Mittel bewilligt hatte, oder das bfz sich nur 24 PC-Ausbildungsplätze leisten konnte sei dahingestellt. Es galt die Zahl 24, nicht etwa 23, wie man hätte vermuten können.
Das heißt eigentlich doch 23, denn Herr Böhm hatte sich als Selbstzahler bei dieser Maßnahme angemeldet. Dies meint, er trägt die Kosten der Umschulung selbst und kann bei der Feststellungsmaßnahme nicht durchfallen. Später reichte Herr Böhm einen entsprechenden Antrag auf Erstattung und Förderung beim Arbeitsamt nach. Dieser wurde auch bewilligt und der „Feststellungsbetrug“ von Herrn Böhm war perfekt. Später glänzte Herr Böhm durch Auswendiglernen und völlige Fehlkompetenz in dieser Ausbildung. Wie er die Prüfung schaffen konnte ist bis heute dem gesamten Kurs unklar.

Die Dozenten
Das bfz setzt auf „Billigdozenten“. Es ist nicht notwendig, daß der Dozent eine fundierte Ausbildung in dem zu unterrichtenden Fachgebiet nachweist, solange er die Meinung des bfz und des Arbeitsamtes, bzw. sonstigen Leistungsträgers, vertritt und möglichst unter DM 50,00 die Stunde Kostet. Angestrebt wird eine Vergütung von DM 25,00 pro Stunde.
Ein EDV-Dozent zu diesem Preis? Wohl kaum!
So wurden wir z.B. im Bereich EDV von einem Diplompsychologen unterrichtet, von dem bis heute nicht bekannt ist, ob er wenigstens dieses Studium wirklich absolviert hat. Auch die anderen Dozenten hatten einen eher undurchsichtigen Werdegang und fanden mit ihrer „Qualifikation“ wohl eher keine lohnende Anstellung.
Alles in allem war die Qualität des Unterrichtes ebenso zweifelhaft, wie die Qualifikation der Dozenten. Es wurden Halbweisheiten und die Meinung der Dozenten unterrichtet und dies nicht einmal nach aktuellem Ausbildungsrahmenplan.
Wie oft habe ich auf Fragen im Bereich EDV zu hören bekommen: „Das hat uns jetzt nicht zu interessieren“.
Der einzige Lichtblick in diesem Ausbildungsdebakel waren zwei Dozenten, die im letzten Drittel der Umschulung zum bfz stießen. Recht jung und noch an das Gute glaubend, engagierten sich diese beiden Dozenten. Mit viel persönlichem Einsatz versuchten sie die Löcher zu stopfen, die andere hinterlassen hatten. Viele verdanken das Bestehen der Abschlußprüfung vermutlich diesen beiden Herren.

Unterrichtsmittel
Unterrichtsmittel sind teuer und somit rar. So hat eben dieses bfz mehrere Großkopierer auf seinen Gängen stehen an denen zumindest für uns zahlreiche Herdtskripte kopiert wurden. Es wird eines gekauft, der Rest wird kopiert. Ein klarer Verstoß gegen das Copyright. Es ist davon auszugehen, daß hier nicht nur Skripte des Herdt-Verlages kopiert werden, sondern auch kostenpflichtige und geschützte Dokumente anderer Häuser.
Wer Herdtskripte kennt, weiß wie oberflächlich und dürftig diese sind. Nach eben diesen bildet das bfz aus.
Genauso dürftig ist die EDV-technische Ausstattung der Schulungsräume. Alte „Novell-Götter“ entscheiden, wo es gerade den billigsten PC zu kaufen gibt und dürfen ein mageres Netzwerk betreuen. Ich hatte während der gesamten Ausbildungszeit fünf wesentlich bessere Rechner zu Hause stehen, als sie das bfz je gesehen hat.
Man tat gut daran, wenn man sich wenigstens eine funktionierende Maus von zu Hause mitgebracht hat. Gleiches galt für lizenzierte Software. Nachdem das bfz offensichtlich völlig verarmt war, mußten Dozenten und Umschüler zum Teil ihre eigene Software mitbringen.

Unterrichtsplan gegen Ausbildungsrahmenplan
Zu Beginn unserer Umschulung sagte man uns von Seiten des bfz , daß die Ausbildung zum Fachinformatiker ein völlig neuer Zweig sei und wir auf der grünen Wiese stünden. Dies war allerdings nur die Ausrede dafür, daß das bfz nicht in der Lage war den jeweils aktuellen Ausbildungsrahmenplan der IHK zu beschaffen und umzusetzen.
Die Unterrichtsverteilung entsprach zwar im wesentlichen der Gewichtung bei den Prüfungen, allerdings fehlten Ausbildungsgebiete teilweise ganz. Dies mag auch daran gelegen haben, daß dem bfz teilweise die Dozenten davongelaufen sind. Wen wundert es bei der Vergütung.

Zur Entlastung des bfz muß hier allerdings auch angemerkt werden, daß die IHK den Ausbildungsrahmenplan ständig ändert und selbst nicht recht weiß, was sie jetzt eigentlich verlangen soll. Den jeweiligen Ausbildungsrahmenplan umzusetzen gestaltet sich auch als problematisch. Es soll hier innerhalb von zwei Jahren (verkürzte Ausbildungszeit für Umschüler) die eierlegende Wollmilchsau erschaffen werden.
Selbst für einen versierten Ausbilder dürfte es innerhalb von dreieinhalb Jahren (reguläre Ausbildungszeit für Fachinformatiker) schwierig sein den gesamten Inhalt des Ausbildungsrahmenplanes vernünftig zu vermitteln.
Die IHK selbst ist der Grund dafür, daß die Industrie kaum Fachinformatiker ausbildet. Wer gibt sich die Wirren der IHK schon freiwillig?

Praktikumsplätze
Zur Ausbildung eines Fachinformatikers gehört unter anderem ein neunmonatiges Praktikum. Dies aus gutem Grunde. Für einen angehenden Fachinformatiker ist es unbedingt erforderlich, daß er Erfahrungen an „echten“ Systemen sammelt und sich in der Problembewältigung übt. Dies gilt sowohl für den Anwendungsentwickler, als auch für den Systemintegrator.
Wie wird dieser wichtige Part von Seiten des bfz gehandhabt?
Nahezu gar nicht...
Die offizielle Verlautbarung Seitens des bfz lautete: „Sie brauchen sich keinen Kopf zu machen, das bfz sorgt für ausreichend Praktikumsplätze.“
Das bfz, hier die für uns zuständige Kursleitung hat tatsächlich eine Liste des Berufschulzentrums entwendet, bzw. kopiert und hat hiernach versucht zu vermitteln.
Nachdem sich auf der Liste mehr oder weniger „Hinterhoffirmen“ befanden, habe ich bereits im Vorfeld eine Anfrage bei der deutschen Lufthans gestartet. Der Kursleiter war auch nach acht Wochen Verhandlung nicht in der Lage ein Ergebnis zu liefern.
Erst meine Eigeninitiative verschaffte mir innerhalb kürzester Zeit, hier eine Woche, einen Praktikumsplatz in der Firma, in der ich heute als Netzwerkadministrator tätig bin.
Andere trafen es leider nicht so gut und mußten nach mehreren Wochen Umzugsschlepperei oder anderen Bütteltätigkeiten den Praktikumsplatz wechseln.
Aber eines muß man unserer seinerzeitigen Kursleitung lassen, die Damen in seinem Büro waren stets geschmackvoll ausgewählt.

Vergessene Unterrichtsbereiche
Einige wenige Wochen vor der Abschlußprüfung erschütterte den Kurs und wohl auch die Kursleitung die Tatsache, daß nach aktuellem Ausbildungsrahmenplan ganze Ausbildungsbereiche vergessen worden waren. Hier z.B. der Bereich Telekom-munikation.
Hastig wurden Unterrichtspläne geändert und die eben zwei fähigsten EDV-Dozenten damit beauftragt die Versäumnisse nachzuholen.
Selbst den fähigsten Dozenten gelingt es nicht den gesamten Bereich Telekom-munikation innerhalb einer Woche zu vermitteln. Dennoch haben die zwei schon vorher genannten Herren einiges „rübergebracht“ und dies wieder auf die Weise, als daß das Wissen bei der Prüfung präsent war.

Prüfungsvorbereitung
Wenn man erstmal erkennt, daß man Versäumnisse aufzuholen hat, stellt sich eigentlich nur noch die Frage wieviel Zeit noch bleibt.
Im Falle unserer Umschulung war diese Frage leicht zu beantworten. Das Ausmaß der Defizite und Versäumnisse war so groß, als das es nicht mehr aufgeholt werden konnte. Jeder von uns fragte sich nur noch: „Wie schlittere ich durch diese Prüfung?“.
Es wurde Schadensbegrenzung von Seiten des bfz geübt. Die Unterrichtspläne wurden wieder rasch geändert und der fehlende Unterrichtsstoff in einem Marathon abgearbeitet.
Hauptsache man hatte den Stoff abgearbeitet und möglichst viele kommen durch diese Prüfung. Schließlich wollte das bfz auch die nächsten Fachinformatiker ausbilden um sein Ansehen zu stärken und vor allem seine Kassen zu füllen.

Projektarbeit
Die IHK schreibt als Prüfungsbestandteil eine Projektarbeit vor, die fachbezogen und nicht mehr als 35 Stunden umfassen soll. Dies aber streng nach den Statuten, die von realitätsfremden Bürokraten entworfen wurden.
Einerseits standen hier die Forderungen der IHK, andererseits 35 Stunden Zeit.
Die von der IHK vorgegebene Terminierung war ebenso daneben geraten, wie die Forderung innerhalb dieses Zeitrahmens. Und auch hier mangelte es wieder erheblich an der Kommunikation zwischen der IHK und dem bfz, bzw. der Umschüler. Es ging mehrfach wertvolle Zeit verloren.
Wer nicht bereits vorgearbeitet hatte, kam in erhebliche Zeitnot und konnte eigentlich keine vernünftige Arbeit abgeben. Entsprechend war die Ablehnungsrate der IHK bei den vorab einzureichenden Dokumentationen. Wer nach schriftlicher Ablehnung bei der IHK anrief um zu erfahren warum seine Projektarbeit abgelehnt wurde, erhielt keine ausreichende Antwort. Die Prüfungskommission habe die Arbeit halt abgelehnt.
Am Tag vor der Präsentation bei der IHK kam es zu einem weiteren Problem. Die IHK veranstaltetet die Präsentation der Projektarbeit in zwei Gruppen zeitgleich. Das bfz konnte aber nur einen Beamer und Laptop zur Verfügung stellen.
Die Umschüler der jeweilig anderen Gruppe mußten auf eigene Faust und Verantwortung auch noch ein Laptop und einen Beamer beschaffen und dies innerhalb von 24 Stunden. Das arme bfz wurde hiervon völlig überrascht.
Bei der Präsentation selber wurde ein klarer Unterschied zwischen den Berufschülern und den Umschülern gemacht. Hierfür sorgte vor allem Herr Suech, der die Umschüler nach Strich und Faden auseinander nahm. Als Ausbildungsleiter der Berufsschule nahm er seine „Schäfchen“ hier besonders ins Trockene. Wo war hier die Chancengleichheit?

IHK Abschlußprüfung
Nach einem guten halben Jahr Berufserfahrung als Fachinformatiker frage ich mich noch immer, welches kranke Hirn die Prüfungsfragen erdenkt. Wenn mich heute irgend jemand nach den hexadezimalen IP-Adressen innerhalb des von mir betreuten Netzwerkes fragt, würde ich ihn in eine psychiatrische Anstalt Zwangseinweisen lassen.
Wie ist also mit den „Erdenkern“ der Prüfungsfragen zu verfahren?
Es geht hier gar nicht darum, ob ein Prüfling betriebsbezogene Fragen gestellt bekommt oder nicht. Es geht einzig darum ob hinter einer Frage ein Sinn steckt oder nicht und wie diese gestellt wird.
Für mich spiegeln die „IHK-Fragen“ selbiges wieder: Darf ich mir ein Loch durch das Knie bohren und Himbeersaft durchgießen?
Damit nicht genug, es wird auch massiv gegen die Prüfungsordnung verstoßen!
Bei der Prüfung, der ich beiwohnen durfte, wurde selbige nicht von einem IHK-Bediensteten eröffnet. Also nicht offiziell!
Der Teil A und B mußte innerhalb von drei Stunden gefertigt werden. Während dieser Zeit durften die Prüflinge nicht einmal auf die Toilette. Dies ist ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte. Jedem Kriegsgefangenen muß mehr zugestanden werden.
Nach drei Stunden war eine Pause angesetzt. Es störte das Aufsichtspersonal nicht, daß einer der Prüflinge den Teil A und B erst nach der Pause abgab.
Das gesamte Getue um die Gültigkeit unserer Prüfung mag man bitte den weiteren Artikeln auf dieser Website entnehmen. Die IHK blamierte sich hier bis auf die Knochen.
Bei der Auswertung der Prüfung findet die letzte Diskriminierung der Prüflinge statt. Der Notenspiegel und die Punkteverteilung wird so lange hin und her geschoben, bis das Ergebnis in die Statuten der IHK paßt. Es muß ein gewisser Anteil durch die Prüfung fallen, ob er etwas weiß oder nicht. Die gleiche „Bescheißerei“ zelebriert das bfz und viele andere bei ihren Feststellungsmaßnahmen, nur das man da noch als Selbstzahler wirkungsvoll bescheißen kann.
Faßt man also zusammen, so sorgt die IHK und die beauftragten Bildungsträger bereits im Vorfeld reichlich für Verwirrung um anschließend Prüfungen zu veranstalten, die weder fair noch angemessen, geschweige denn rechtens sind.

Meiner Meinung nach gehört die IHK nebst ihrer selbst produzierten Vorschriften gründlich reformiert und der Kapitalistenapparat entfernt und den lausigen Instituten, die sich da gemeinnützig nennen, die Lizenz zum Ausbilden entzogen.